Markus Vinzent's Blog

Sunday, 27 January 2019

What is the difference between προϊέναι and ἐκπορεύεσθαι?

Pretty easy - προϊέναι derives from is just the broadened word for "going", so pro- means going towards, going forth ... hence, here, in the debate about the Holy Spirit it means the "going out" of the Holy Spirit, out, not in the sense of leaving the Trinity, but going out of the Father (or as others think, out of Father and Son). ἐκπορεύεσθαι means the same, but takes the opposite perspective. Whereas going out puts agency on the Spirit, the medial or passive form of ἐκπορεύεσθαι looks at the Father (or Father and Son) and this form looks at the Spirit as the one who is moving ἐκ = out of. It is just like looking at the same thing from two directions. pro meaning forth, ek meaning out of.

Tuesday, 16 October 2018

καινὴ διαθήκη: Der Titel des "Neuen Testaments" bei Irenäus von Lyon

My usual readers may excuse me writing in German, but I am writing at present a history of the beginnings of Christianity for a German publisher, hence, the text that follows as an extract from this book is in German. I hope that, once the book is published, there will follow an English translation.
            
Der Titel der Sammlung „Neues Testament“, der griechisch καινὴ διαθήκη und lateinisch novum testamentum lautet stellt ein spezifisches Problem dar, das verknüpft ist mit diesem Sprachgebrauch, weil sowohl im Griechischen wie im Lateinischen diese Begriffe nicht nur als Übersetzung des Titels dieser Sammlung von Schriften steht, sondern auch geprägt ist durch die Septuagintaübersetzung der hebräischen Bibel, in welcher διαθήκη für den „Bund“ (brit) steht, den Gott mit den Menschen geschlossen hat. Mehr noch, das Griechische wie das Lateinische „Testament“ kann für die erbschaftsrechtliche Verfügung im ganz allgemeinen Sinne benutzt werden,[1] wie es etwa auch in Gal. 3,15.17 und Heb. 9,16f. der Fall ist. Theodor Zahn verwies bereits darauf, dass „διαθήκη in der Bibel den von Gott gestifteten Bund (bezeichnete), die von Gott der Gemeinde gegebene Ordnung ihres Verhältnisses zu ihm, und καινὴ διαθήκη eine der Endzeit vorbehaltene, durch Christus gestiftete Neuordnung dieses Verhältnisses, als nicht Offenbarungsurkunde, sondern Offenbarung“ meinte.[2] Bevor man also in den Schriften, auch des Irenäus, den terminus technicus für den Titel vorzufinden glaubt, muss man erst prüfen, ob nicht einer der älteren Inhalte nicht im Sinne von schriftlichen Urkunden, sondern von Ordnung und Bund gemeint ist, und wenn ein Schriftstück bezeichnet zu werden scheint, ob es auf eine Erbschaftsanordnung geht, oder wirklich die Sammlung von Schriften bedeutet wird.[3]
Für Irenäus gibt es die beiden „Testamente“.[4] Bei der Diskussion des Liebesgebotes verweist Irenäus darauf, „dass die wesentlichen Gebote für das Leben in beiden Testamenten dieselben sind und auf denselben Herrn verweisen, der zwar die Einzelgebote den Umständen beider Testamente angepasst hat, als die wichtigeren und höchsten Gebote aber, ohne die man nicht erlöst werden kann, in beiden Testamenten dieselben gegeben hat“.[5] Und an späterer Stelle betont er, „dass es zwei Synagogen in zwei Völkern gab und dass es trotzdem ein und derselbe Gott ist, der sie beide zum Nutzen der Menschen eingerichtet hat; dementsprechend wurden die Testamente denen gegeben, die zum Glauben an Gott kamen ... Außerdem auch, dass das erste Testament weder unnütz noch vergeblich oder zufällig gegeben worden ist“.[6]
Auffallenderweise setzt Irenäus die beiden Testamente an der ersten Stelle gleich mit „Gesetz“ (lex) und „Evangelium“ (evangelium) und an der zweiten mit „erstem Testament (prius testamentum) und „Evangelium“. In einem anderen Kapitel wird deutlich, dass Irenäus auch die Schriften des Paulus zum Neuen Testament hinzuzählt.[7] An einer weiteren Stelle liegt eindeutig der Begriff διαθήκη (testamentum) als Erbschaftstestament vor, interessanterweise noch kombiniert mit „Evangelium“: Die Glieder der Menschen „werden vom Geist zum Erbe genommen und ins Himmelreich gebracht. Deshalb aber ist Christus auch gestorben: Das Testament des Evangeliums, das eröffnet und in der gesamten Welt gelesen werden sollte, sollte zuerst seine Knechte frei machen. Darauf sollte es sie dann zu Erben seiner Güter einsetzen ... Wer lebt ergreift nämlich Besitz vom Erbe.“[8] Hier wird deutlich, dass für Irenäus „Testament“ nicht nur wie meist in seinen Schriften als „Bund“ zu verstehen ist, sondern gerade mit Blick auf das Evangelium als Erbüberlassung.
Insgesamt wird deutlich, Irenäus nutzt die Vorstellung vom „Testament“ als „Bund“, einmal auch als „Erbschaftsurkunde/-überlassung“, doch nur an zwei gesicherten Stellen benutzt er den Begriff zur Kennzeichnung der Sammlungen von Schriften. An beiden Stellen spricht er nicht von einem Testament, sondern von zweien, wobei er das eine, auch das „erste“ genannte, mit dem Gesetz gleichsetzt, das andere mit dem Evangelium (zu diesem Testament zählt er auch die Paulusbriefe an anderer Stelle). Noch auffallender aber ist, dass die Gegensetzung der beiden Testamente wie auch die Gleichsetzung mit einerseits Gesetz, andererseits Evangelium auf den älteren Sprachgebrauch hindeuten, in welchen Markion sowohl den Begriff „Neues Testament“ im Gegensatz zu „Altem Testament“ geprägt hat, und Irenäus an beiden Stellen in Adversus haereses sich tatsächlich mit Markion und seinen Anhängern auseinandersetzt. Im Anschluss an die erste Stelle resümiert Irenäus: „Es gibt ja noch mehr solcher Gebote. Sie bedeuten aber alle keinen Widerspruch (contrarietas) und keine Auflösung der alten Gebote, wie das die Anhänger Markions daherschreien“.[9] Und auf die zweite Stelle, die mit dem antimarkionitischen anonymen Presbyterbericht verbunden ist,[10] folgt: „Er wird aber auch die Lehre Markions richten“.[11]
Aus alledem kann man bezüglich Irenäus nur dieselbe Schlussfolgerung ziehen, die Wolfram Kinzig bereits bei seiner Untersuchung zum Sprachgebrauch von testamentum bei Tertullian vertreten hat: Ausschließlich wenn die Rede von Markion und seiner Position die Rede ist, verfällt der Berichterstatter in den Sprachgebrauch dessen, über den er berichtet, und spricht von „Testament“ im technischen Sinne als von einer Sammlung von Schriften.[12] Während dieser technische Gebrauch von „Neuem Testament“ bei Tertullian begegnet, findet er sich jedoch noch nicht bei Irenäus, der nur von den beiden Testamenten spricht, auch von einem ersten, doch sowohl von Markions antithetischen Charakterisierungen dieser Testamente als „Altes“ und „Neues“ Testament absieht, wie er überhaupt Markions Einleitung zu seinem „Neuen Testament“, Antitheses genannt, durch seine Bestreitung des antithetischen Charakters (contrarietates) der beiden Testamente, wie gezeigt wurde, ablehnt. Es scheint mir darum ausgeschlossen, dass Irenäus die Sammlung der Schriften, die uns als „Neues Testament“ bekannt ist, bereits unter diesem Namen akzeptiert hatte. Wohl muss er die Titel „Altes“ und „Neues Testament“ von Markion her gekannt haben, doch während er von den Testamenten sprechen konnte, konnte er sich offenkundig noch nicht durchringen die Schriftsammlung der Christen, die er als solche zu kennen scheint, als „Neues Testament“ zu bezeichnen.
Wie wir sehen werden, und worauf ebenfalls Wolfram Kinzig bereits hingewiesen hatte, benutzt auch Justin der Märtyrer, der etwas älter als Irenäus ist, den Begriff des „Neuen Testaments“ nie als Sammlungstitel, obwohl „bei Justin die Gegenübersetzung von alter und neuer διαθήκη eine große Rolle spielt“.[13]
Wenn „allerdings das uniforme Zeugnis der existierenden Überlieferung deutlich darauf hinweist, dass dies („Das Neue Testament“) der Titel des Archetyps“ war, dann müsste man davon ausgehen, dass die Sammlung von neutestamentlichen Schriften, die Irenäus kannte, bewusst eine – wenn auch kritische – Fortführung und Überarbeitung der älteren Sammlung darstellte, die auf Markion zurückgeht und die von Irenäus dem Inhalt nach, nicht aber, was ihren Titel betraf, akzeptiert und titellos propagiert wurde.




[1] Vgl. (Kinzig 1994)
[2] (Zahn 1888/1892: 103)
[3] Sowohl die gängigen deutschen wie englischen Übersetzungen des Irenäus sind hier nicht immer präzise, außerdem gibt es Zweifelsfälle, in denen es schwer zu entscheiden ist, welche der Übersetzung zu verwenden ist. Als Beispiele dienen Iren., Adv. haer. IV 17,5 und 28,1-2 wo es in der englischen Übersetzung (ANL) für „hic et illic“ „both Testaments“ und schließlich für „in novo testamento“ „New Testament“ heißt, während die deutsche Übersetzung hier korrekt von „Bund“ spricht. Ähnlich gelagert ist der Fall in Iren., Adv. haer. V 34,1. Der gleiche Befund begegnet in der Übersetzung von Epid. 91. Ein schwieriger Fall ist Iren., Adv. haer. IV 32, wo innerhalb langer Überlegungen zum Thema altem und neuem Bund dieses Kapitel kommt, in denen doch wohl eher von „beiden Testamenten“ die Rede ist, so auch die englische und deutsche Übersetzung.
[4] Vgl. Iren., Adv. haer. IV 12,3; 28,1; 32,1-2.
[5] Iren., Adv. haer. IV 12,3.
[6] Iren., Adv. haer. IV 32,2.
[7] Vgl. Iren., Adv. haer. IV 15,2.
[8] Iren., Adv. haer. V 9,4.
[9] Iren., Adv. haer. IV 13,1.
[10] Der Bericht findet sich Iren., Adv. haer. IV 27-32; vgl. zu diesem Bericht mit älterer Literatur (Vinzent 2014: 52-55)
[11] Iren., Adv. haer. IV 33,1.
[12] (Kinzig 1994)
[13] (Kinzig 1994: 528) Dort auch ältere Literatur.


Sunday, 7 October 2018

Writing the History of Early Christianity - Die Anfänge des Christentums - Retrospection and some more

Thrilled to be on a Sabbatical, the first exactly after 10 years teaching and the very first while I am at King's College London - though entitled to have one year, the College decided to cut it down to one term, fine with me as it makes every day of this research break even more precious - I have embarked on a number of projects. Finally, I have also time to get back to my beloved readership of this blog, as I enjoy the primary conversation with you and the discussion of projects before they are released in print.
As mentioned in the previous note on this blog, I am doing the final touches to the forthcoming CUP book Writing the History of Early Christianity:



In four case studies I am testing my retrospective historiography that is developed in the first chapter and followed by chapters on the so-called 'Avercius' inscription, the statue of Hippolytus, the apology of Aristides and the letters of Ignatius. You might miss Marcion - who does not feature at all in the book - and the Gospels and Paul. Don't worry, I am writing at present another book which is a follow up to this one here, and also to the earlier one (Christ's Resurrection in Early Christianity and the Making of the New Testament, 2011), which has the working title: The Beginnings of Christianity. As the book was requested by Herder, Freiburg i.Br., Germany, where the book on Christ's Resurrection appeared in a revised German translation



the new book is first written in German, but will also appear in an English translation soon after. Different from the CUP book, The Beginnings of Christianity will attempt a retro-history of Christianity. In order to show, how the contemporary grand narrative of the beginnings of Christianity emerged, we go through formative stages of its development, starting out from Orosius and his construction of the beginnings of early Christianity as part of his universal history in his Seven books of historical events against the pagans from the early fifth century CE. Christianity being Romanitas, a new chapter in history, compared to the pagan past, hence the divide of time into BC and CE. 
The next chapter deals with Eusebius of Cesarea, the reference for any writing of early Christian history. Interestingly, as you will see, Eusebius is far from using the canonical writings as the foundations of his story, but constructs his narrative using mainly Flavius Josephus and Jesus' own writing (as part of the letter exchange between King Abgar and Jesus). Other sources, amongst which also the canonical writings and particularly Acts surface, are mostly only corroborative to his main sources. 
Further chapters deal with Iulius Africanus, the chronist who provided Eusebius with his chronological time line, with Origen, the preacher and commentator of Scripture who is less interested in the material history, but wants us to focus on the spiritual path that goes beyond history, his counter-part Tertullian who is less interested in the Scriptures (be they historically or spiritually read), but focuses on the tradition of the Church and reconstructs the genealogy of authority, with Irenaeus, the mastermind behind the traditional construction of the beginnings of Christianity as we have learned it all. Instead of taking him as a representative and source for this kind of narrative which is reflected in Eusebius, but also in all our textbooks today, I read him as the creator of this story who struggled with counter-stories, but was the successful amongst competitors. 
Further chapters will develop earlier constructions of the beginnings of Christianity, as done through the collection of writings brought together into the New Testament shortly before or contemporary to Irenaeus, the re-writing and complementing of Paul's letters, the previous attempt by Marcion and his New Testament and Paul's own construction, as seen through the version of Paul's letters that were available to Marcion.
Hence, the book is a story of stories that moves scene by scene back towards the beginnings without claiming that any of these stories provide us with the one or the correct history of the beginnings. Instead it will show that our master-narrative today is but a revamped version of what has been constructed towards the late second through to the early fifth century.

A separate manuscript is in development where I try to work out the historiography of retrospection, not directly linked to any particular history.

And, of course, various books and articles on Meister Eckhart, the Fathers and other projects are prepared too.

What an exciting time - can't wait to get up in the morning.  

Monday, 2 July 2018

My new book 'Writing the History of Early Christianity: From Reception to Retrospection' (CUP)

First I have to apologise that for the relative quiet on the blog over the past weeks and months, but I used all the available free time to finish my manuscript of the new book Writing the History of Early Christianity: From Reception to Retrospection which is now in print at Cambridge University Press and should come out in the coming months.



Here is the blurb of the book:

Despite novel approaches to the study of Early Christianity – New Historicity, New Philology, Gender and Queer Studies; many turns – Material, Linguistic, Cultural; and developments in Reception History, Cultural Transfer, and Entangled History, much scholarship on this topic differs little from that written a century ago.  In this study, Markus Vinzent challenges the interpretation of the sources that have been used in the study of the Early Christian era.  He brings a new approach to the topic by reading history backwards. Applying this methodology to four case studies, and using a range of media, he poses radically new questions on the famous ‘Abercius’ inscription, on the first extant apologist Aristides of Athens, on the prolific Hippolytus of Rome, and on Ignatius and the first non-canonical collection of letters. Vinzent’s novel methodology of a retrospective writing thus challenges many fundamental and anachronistic assumptions about Early Christian history.

Look out for it! Release date is 31 March 2019